Kulinarische Schlemmerreise über den Forchheimer Weihnachtsmarkt
Alle Jahre wieder, kommt das ... nein, nicht das Christkind, sondern ein Team des "Neuen Wiesentboten" und testet das kulinarische Angebot rund um den "schönsten Adventskalender der Welt". Die diesjährige Crew: Dr. Waldemar A. Zöllerlein, Julius Todtenbier (beide aus Tiefenseebach), Heinz Besold aus Boxdorf, Charlie Pichl (Forchheim) sowie Alexander Dittrich und R.E. Porter für die Redaktion des "Neuen Wiesentboten".
Auftakt bei der Glühbude von Gherla
Forchheims rumänische Partnerstadt Gherla betreibt seit Jahren die "Glühbude" vor dem Kriegerbrunnen. Und seit Jahren bemängeln wir, dass der Glühwein in Tassen mit Nürnberger Motiven ausgeschenkt wird. Hat sich was geändert? Natürlich nicht. Stadtmarketing olé! Der Stoff selbst ist solide Industrieware von "Gerstacker", Containerglühwein sozusagen. Könnte etwas besser temperiert sein, alldieweil der Glühwein umso schlechter schmeckt, je kälter er wird.
Weihnachtsbäckerei "Störzer" aus Erlangen
Weihnachtliche Stimmung durch Rauhreif auf den Plastiktischen. Wir testen das "Flaggschiff" der Bude: Heißer Met ("Honigwein") für mehr als korrekte 1,50 Euro. Ausschank auch hier aus "Nürnberger" Tassen, aber sehr heiß. Doc Zöllerlein: "Nicht so pappig süß wie Glühwein". Eine willkommene Abwechslung jedenfalls. Dort gibts übrigens auch "Quarkbällchen" für sagenhafte 50 Cent. Die Bällchen werden frisch (!) in Fett schwimmend herausgebacken, sind aber überraschenderweise gar nicht fettig und sehr locker. Unbedingt zu empfehlen!
Abstecher zu den Forchheimer Metzgern
Wie immer wechseln die Forchheimer Metzger sich ab, den heutigen Standdienst hat die Metzgerei Belzer übernommen (Brötchen von der Bäckerei Fuchs). Wir ordern eine Runde Bratwürste, die umgehend unser kulinarisches Herz erwärmen. Es sind fränkische Bratwürste (fein, nicht grob) mit einer "angenehmen Majoran-Note im Abgang" (J. Todtenbier). Ein Test der ebenfalls angebotenen Bockwurst brachte uneinheitliche Ergebnisse - von "fad" über "mit Senf ganz gut" bis "fein" lauteten die Beurteilungen. Die ebenfalls angebotene Pizza wurde einstimmig abgelehnt, da "unfränkisch" und auch "unweihnachtlich" ...
Michael Drlicecks "zentrale Glühweintränke"
Michael Drliceck (bekannt vom Riesenrad am Annafest) erkennt uns sofort wieder als die Tester vom letzten Jahr. Wir testen die Produkte "Glühkirsch", "Jagertee" und "Schnemann". Obwohl alles von "Gerstacker" kommt, gibt es wohl auch hier Unterschiede, "gehobene Industrieware" sozusagen. Der "Schneemann" (2 Euro) fand nicht ganz unser Wohlwollen ("etwas zu süß", "zu flach"), der "Jagertee" fand vor allem bei J. Todtenbier Anklang wegen seiner überzeugenden Argumente: 11,5% sorgen für sofortige wohlige Wärme. Andere Wertungen gingen von "Aufschlagzünder" bis "DumDum-Geschoß". Nichts für Weicheier! Der "Glühkirsch" wurde mehrheitlich wegen seiner "harmonischen Süße" gelobt und wegen seiner "Temperaturstabilität" - auch lauwarm noch zu genießen. Alle Produkte kamen übrigens sehr heiß über die Theke. Prima.
"Schwanks Imbiss Imperium"
Wie bereits letztes Jahr unser fast einstimmiger Favorit: Der einzige selbstgemachte Glühwein des Forchheimer Weihnachtsmarktes. Nicht so süß wie die anderen, es überwiegt der Weingeschmack. Der Unterschied zur Industrieware ist deutlich. Hier bestellen wir auch "fränkische Baggäs" (für Fremde: Fränkischer Kartoffelreibekuchen) mit Apfelmus oder Preisselbeeren (wir haben beides genommen), die selbstverständlich frisch zubereitet wurden, von übrigens sehr freundlichen Bedienungen. Geteilte Meinung zum Baggäs: Positiv - frisch, sehr heiss; negativ: etwas fettig.
Ausklang: Crepes, Elisenlebkuchen und "Lebkuchenkonfekt"
Ok, ok, Crepes sind ja nicht gerade "fränkisch" aber aus "Frankreich" und das wollen wir grade mal gelten lassen. Aus Gründen der Ausgewogenheit nehmen wir pikante Crepes mit Käse und Knoblauch - zu all dem süßen Zeug eine echte Abwechslung. Dann gehts aber wieder in die Vollen: Elisenlebkuchen sind angesagt. Hier hatten wir zum erstenmal ein Temperaturproblem - die Geschmacksbestimmung war wegen der Kälte schwierig, bei Zimmertemperatur schmecken sie sicher noch besser. Ähnliches Problem auch bei Michael Drlicecks "Lebkuchenkonfekt" in den Variationen "Kirsch-Whisky", Williams-Birne" und "Rum-Pflaume". Eine Eigenentwicklung der Drlicecks übrigens, eine durchaus interessante und empfehlenswerte Abwechslung.
Untypischer Abschluss
Nach den vielen süßen Genüssen zog es die Tester in herbere Gefilde: Ein paar Runden Bier in der Brauerei Neder bildeten den krönenden Abschluss der diesjährigen Schlemmerreise. Inklusive philosophischer Aufklärung durch Altmeister Peter Göschel ...
Ein Bericht des Neuen Wiesentboten

